Gemeinde Riehen (BS)

Daheim alt werden, selbständig bleiben – dank Wohnassistenz

Die Gemeinde Riehen im Kanton Basel-Stadt bietet neu eine Siedlungs- und Wohnassistenz an. Diese berät ältere Menschen, wie sie sich Alltagshilfe organisieren und die Wohnsituation anpassen können. So sollen mehr Ältere trotz Altersgebresten zuhause bleiben können.

In der eigenen Wohnung älter werden, in der vertrauten Umgebung bleiben. Das wünschen sich die meisten älteren Menschen – auch wenn sie nicht mehr gut zu Fuss sind, die Augen nachlassen oder chronische Erkrankungen auftreten. Wenn es um Pflege geht, können sich die Älteren im baselstädtischen Riehen schon seit 2002 an eine Pflegeberaterin der Gemeinde wenden. Neu steht den 21'000 Einwohnerinnen und Einwohnern zusätzlich eine Siedlungs- und Wohnassistenz zur Verfügung. Bei ihr setzt auch das Projekt «Älter werden – gut wohnen» an, mit dem die Gemeinde Riehen am Programm Socius 2 teilnimmt. Die Assistenz soll sinnvoll aufgebaut, ihr Profil geschärft werden.

Riehen führte die Siedlungs- und Wohnassistenz 2019 ein. Eine Sozialarbeiterin im 80-Prozent-Pensum ist jetzt nicht mehr allein für die gemeindeeigene Alterssiedlung da, sondern für die gesamte ältere Bevölkerung. Sie leistet Beratung zur Wohnsituation und kümmert sich um den Aufbau eines Helfernetzes für den Alltag, falls dies nötig wird. Die Erfahrung zeigt: Das vielfältige ambulante Hilfsangebot in Riehen und Umgebung – Mahlzeitendienste, Fahrdienst, Unterstützung bei administrativen Angelegenheiten etc. – ist vielen älteren Menschen gar nicht bekannt. Manche scheuen sich auch, Hilfe anzunehmen. Einige sind überfordert damit, sich die Hilfe selber zu organisieren.

Bei all diesen Punkten soll die Wohnassistenz künftig unterstützend und ermunternd wirken. Angehörige können sich ebenfalls an sie wenden. Sie kann in ihrem Büro in der Alterssiedlung oder via Gemeindeverwaltung kontaktiert werden. Auch an Senioren-Anlässen im Dorf wird sie anzutreffen sein. Wenn gewünscht, besucht sie die älteren Menschen in der Wohnung, um die Lage einzuschätzen. Falls nötig, beteiligt sie sich an der Suche nach einer neuen Wohnung. Bei der Organisation der Alltagshilfe kann sie unter anderem auf Freiwillige der Organisation GGG Benevol zurückgreifen, die dafür eigens ein auf Riehen konzentriertes Pilotprojekt aufbaut. Die Wohnassistenz pflegt den Kontakt zu Leistungserbringern, ehrenamtlichen wie professionellen. Ob es möglich sein wird, zusätzlich private Immobilienverwaltungen ins Boot zu holen, wird sich zeigen.

Durch den Erhalt der Wohnfähigkeit könnten die Heimeintritte abnehmen, so die alterspolitische Überlegung in Riehen. Denn eine Analyse der Pflegeplätze ergab: die Menschen ziehen zum Teil nicht wegen hohen Pflegebedarfs ins Heim, sondern wegen der Wohnsituation oder sozialer Isolation. «Und dies trotz einem vielseitigen Angebot an Unterstützung und Dienstleistungen», wie die Projektverantwortlichen schreiben. Deshalb brauche es «eine der Pflegeberatung vorgelagerte Kontaktstelle zur Früherkennung und Prävention.»


Auf einen Blick

Projekt: Aufbau einer Siedlungs- und Wohnassistenz für die Bevölkerung im Rentenalter.

Beteiligte: Abteilung Gesundheit und Soziales der Gemeinde Riehen, Fachstelle Alter der Gemeinde Riehen, Siedlungs- und Wohnassistentin, GGG Benevol; regelmässige Kontakte der Siedlungs- und Wohnassistentin zu folgenden Akteuren: Verein Zusammenarbeit Alterssiedlungen Basel-Stadt, Spitex, Spitalsozialdienste, Verein «Jung und Alt hälfe enand», Verein gegenseitige Hilfe in Riehen, Quartiervereine, Pro Senectute, Kirchgemeinden.

Schwerpunkte: Wohnen im Alter, Alltagshilfe, Anlaufstelle, Beratung, Freiwillige, Nachbarschaftshilfe, Quartier, Sozialraum, aufsuchende Altersarbeit

Kontakt:
Irene Burri
Siedlungs- und Wohnassistentin
Fachstelle Alter der Gemeinde Riehen
Tel. 061 646 82 30
​​​​​​​irene.burririehen.ch ​​​​​​​